Eine Fotosammlung findet ihren Weg nach Hause

In den 1960er Jahren kaufte das Museum für Kommunikation den Bestand der Engadin Press auf und übernahm ihn in die hauseigene Fotosammlung. Hintergrund der Übernahme waren nicht zuletzt zahlreiche Aufnahmen von Postkutschen, Poststellen und frühen Postautos im Engadin. Im Rahmen eines umfassenden Digitalisierungsprojektes (Projekt ODIL) werden seit 2019 sämtliche Fotobestände des Museums für Kommunikation bewertet, erschlossen und digitalisiert. Von den insgesamt über 500'000 Bildern in der Museumssammlung konnten bereits mehr als 150’000 Fotografien durch diesen Prozess digitalisiert werden. Dabei wurden auch zahlreiche weitere Fotografien entdeckt, die vergleichbare Motive wie der Bestand der Engadin Press zeigen.

Auch die Fotostiftung Graubünden besitzt Abzüge und Originale des Engadin Press-Bestands. Das Museum für Kommunikation und die Fotostiftung stehen deshalb schon länger in Kontakt, um die Bestände abzugleichen. Die Fotostiftung Graubünden ist eng mit dem Kanton und den Menschen verbunden und verwendet spannende Technologien zur Aufarbeitung des Bestands. Bald stellt sich heraus, dass eine Zusammenführung der Bestände einen grossen Mehrwert für die Nutzung des Fotobestands mit starkem regionalem Bezug darstellen würde. Die wunderbaren Fotografien können am Ort ihrer Entstehung mehr Wirkung erzielen, indem sie Erinnerungen untermalen und den Dialog anstossen. Denn eine Sammlung hat zwar einen materiellen Wert, sie ist aber vor allem ein Kulturgut. Und Kulturgut entfaltet seinen wahren Wert erst im Dialog.

Im Museum für Kommunikation entschieden Direktion und Stiftungsrat deshalb, den Bestand an seinen Entstehungsort zurückzugeben. Diese Rückgabe auf nationaler Ebene ist selten, kann aber ein wichtiges Signal sein. Sie kann funktionieren, wenn das grundlegende Ziel – der Erhalt des Kulturguts – gesichert ist. Für uns ist klar, dass eine Rückführung in die Ursprungsregion in diesem Fall die richtige Lösung ist.