Patronenbüchse eines Vorderladers
Objekt des Monats September 2026
Datierung: um 1600–1650
Herkunft: Deutschland
Inventarnummer: H2011.156

Unsere mit Bein verzierte Patronenbüchse erinnert an Zeiten, in denen der Ladevorgang von Feuerwaffen – damals mit einer Lunten- oder Radschlosszündung versehen – viel umständlicher war. Dieses wichtige Ausrüstungsstück für Jäger und Soldaten wurde am Gürtel getragen. Fünf Papierpatronen konnten darin aufbewahrt werden.
Das Laden von Musketen oder Pistolen aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erforderte zwischen 20 und 30 Handgriffe. Das Schwarzpulver und die Kugel wurden von der Mündung aus mit einem Ladestock in den Lauf hineingestossen. Das Zündkraut musste anschliessend separat in die Zündpfanne geschüttet werden.
Die Verwendung von Papierpatronen brachte eine wesentliche Verkürzung der Ladezeit mit sich. Diese enthielten bereits die richtige Pulvermenge sowie eine Bleikugel und konnten mit den Zähnen aufgerissen werden. Der Inhalt wurde direkt in den Lauf geschüttet. Das nachgeschobene Papier diente zugleich als Pfropfen. Ein geübter Schütze konnte so mit einer leichten, handlichen Waffe ohne Schwierigkeit ein Gewehr innerhalb von weniger als einer Minute laden.
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